Der 47-Jährige ist eigentlich Stahlbauschlosser 

Kasseler Fußball-Fan wird in Brasilien als DJ gefeiert - und trifft eine KSV-Legende

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Machte Stimmung in Brasilien: Michael Maus.

Durch eine Schnapsidee wurde der Kasseler Michael Maus zum DJ, der in Brasilien vor 6000 Menschen auftrat. Dort traf der Fußball-Fan auch noch eine Legende des KSV Hessen.

Michael Maus kann es immer noch nicht fassen, was er in den vergangenen Wochen so erlebt hat. In Brasilien trat der Kasseler DJ vor 6000 Menschen auf. „Ich musste mich jeden Tag kneifen und mich fragen, ob das alles wahr ist, was da passiert“, sagt er. Fast den ganzen Oktober war der 47 Jahre alte Stahlbauschlosser aus Kassel in Brasilien. 

Als DJ Michael Maus trat er dort mitunter vor 6000 Menschen auf, er unterhielt ganze Partysäle. „Einfach nur Wahnsinn“, bilanziert er – und er erzählt seine Geschichte, die ebenso kurios wie verrückt ist.

Diese Geschichte beginnt Anfang des Jahres in Fuldabrück, wo Maus seit kurzer Zeit lebt. Im Ortsteil Dörnhagen feierte der Hobbymusiker mit ein paar Freunden Karneval, es wurde wohl auch gesungen. Dabei lernte Maus Jacinto Klein kennen, der für Maus immer nur „der Jacinto“ ist. Jacinto ist Lehrer in Brasilien; regelmäßig kommt er mit einer Gruppe nach Deutschland und belebt so die Deutsch-Brasilianische Kulturgemeinschaft. So trafen sich die Wege von Maus und Jacinto, und Jacinto fragte, ob Maus nicht Lust habe, im Oktober nach Brasilien zu kommen und Musik zu machen.

DJ Maus hatte Lust

Mit seiner Freundin machte er sich auf nach Südamerika, aber ihm war selbst da noch nicht klar, was ihn eigentlich erwarten würde: dass er auf einmal im südlichen Bundesstaat Rio Grande vor 6000 Menschen stehen und die Halle rocken sollte. Er war gebucht als Spaßmacher aus Deutschland, der weiß, was die Leute wollen, wenn sie auf ein Oktoberfest gehen.

Als Maus ansatzweise mitbekam, was ihm da so blüht, fragte er den Jacinto: „Was soll ich da denn eigentlich machen?“ Da wies ihn der Brasilianer auf die Klassiker der Gute-Laune-Musik hin: auf Rosamunde, auf das Fliegerlied, das Tim Toupet normalerweise singt. Das Wichtigste aber sei, dass er die Leute zum Feiern animiere.

Für Maus war das keine außergewöhnliche Anforderung. Einerseits. Er wuchs schon mit der Musik auf; sein Opa spielte in einer Kapelle, sein Stiefvater liebte Oldies, und er selbst gab auch schon mal im Awo-Altenwohnheim das Double von Wolfgang Petry. Zudem unterhielt er so manche Hochzeitsgesellschaft als DJ.

Andererseits: Auftritte in Brasilien vor Tausenden von Menschen? Das sollte dann auch für eine Spaßkanone wie Maus etwas Neues sein. „Meine Güte war ich aufgeregt. Ich hätte eine Zigarette nach der anderen rauchen können.“

Maus traute sich auf die Bühnen – und sorgte für die Stimmung: in Igrejinha, in Sao Lourenco und in weiteren Städten rund um den Standort Bom Principio. Er war überall der Deutsche, der mit seiner Playbackshow das heimische Oktoberfest bereicherte.

Einmal sollte er nachts auftreten – um 4 Uhr, nach einer Misswahl. Als er ankam, war kaum jemand im Saal. Maus dachte, das Ganze habe sich erledigt. Dann aber legte er los, und auf einmal waren 500 Leute da. „Ich weiß bis heute nicht, wo die herkamen.“

Womöglich hat sie der Jacinto zusammengetrommelt. Wie überhaupt fast alles irgendwie mit dem Jacinto zusammenzuhängen scheint. Er stellte Maus auch bei den örtlichen Honoratioren vor. So wurde Maus bekannter und bekannter – ein kleines Märchen. Am Ende fragte der Jacinto, ob Maus nächstes Jahr wiederkäme. Maus überlegte nicht lange und sagte: „Klar.“ Er ist auf dem besten Weg, ein Mausinho zu werden.

Michael Maus mit KSV-Legende Julio Cesar und dessen Sohn.

KSV Hessen Kassel: Legende lebt in Brasilien

Während seiner Reise nach Brasilien traf Michael Maus auch jemanden, der in Kassel noch immer einen klangvollen Namen hat. Der Fan vom KSV Hessen Kassel, der sich in der Mitglieder-Abteilung Herzblut engagiert, besuchte den einstigen KSV-Publikumsliebling Julio Cesar. Dabei gelang Maus ein Kunststück: unter all den Julio Cesars in Brasilien den richtigen ausfindig zu machen.

Julio Cesar, von 2002 bis 2007 bei den Löwen, lebt mittlerweile in der Nähe von Porto Alegre und arbeitet in einem Altenpflegeheim, das er mit seiner Mutter, seiner Schwester und seinem Schwager betreibt. „Es geht ihm super, auch wenn er nicht mehr Fußball spielt“, berichtet Maus, der ganz angetan war von dem Treffen.

Der 39 Jahre alte Julio Cesar führte seinen Gast an den Ort, wo er mit dem Fußballspielen begann. Später wurde eine große Party gefeiert. „Einfach klasse“, sagt Maus.

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Julio Cesar spielte in Kassel für den KSV Hessen und den VfB Süsterfeld.

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