Computer- und Onlinesucht

Göttinger Schüler wollen mit selbstgedrehtem Kurzfilm zu Gala

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Drehen einen Kurzfilm: (von links) Moritz Bar, Vivian Arnaudov, Alina Thiel, Helin Öner und Dilara Yildirim sind Schüler des Göttinger Otto-Hahn-Gymnasiums. Sie können eine Reise nach Berlin oder einen Filmtag mit einem Regisseur gewinnen.

Immer mehr Jugendliche sind depressiv und flüchten sich in die Online-Welt. Der Verein Blickwechsel sensibilisiert Schüler dafür, indem er ihnen beim Erstellen von Kurzfilmen hilft. Damit bewerben sie sich beim niedersächsischen Schüler-Kurzfilmwettbewerb.

„Da überlegt man schon, inwiefern Leuten das wirklich passiert“, sagt die 15-jährige Alina Thiel und wirkt plötzlich ernster. „Das haben heutzutage viele“, ergänzt Dilara Yildirim(16).

Die Schülerinnen des Göttinger Otto-Hahn-Gymnasiums hatten mit ihrem Team die Idee, einen Kurzfilm über Depressionen zu drehen. Von Medienpädagoge Sascha Prinz vom Verein Blickwechsel lernen sie, wie daraus ein fertiger Film entsteht. Denn damit bewerben sie sich beim Schüler-Kurzfilmwettbewerb in Niedersachsen – die zehn besten Teams dürfen dann zu einer Gala nach Hannover.

Sascha Prinz ist Medienpädagoge und gibt zurzeit an 20 Schulen in Niedersachsen Workshops. Den Göttinger Gymnasiasten, die sich mit 122 anderen Schulen dafür mit ihren Ideen beworben hatten, zeigte er die Kniffe des Filmens. „Wir lernen Einstellungen wie Totale und Halb-Totale und Filmen ohne Stativ. Später geht es dann um das Schneiden“, erklärt die 15-jährige Vivian Arnaudov. Nach und nach gehen die Schüler-Teams los und drehen auf dem Schulgelände kleine Übungsfilme. Das Ziel: letztlich ihren eigenen Kurzfilm zu drehen.

Die Probleme verstehen

„Ich zeige ihnen, was man für eine gute Geschichte braucht“, so Medienpädagoge Prinz, der einen lockeren und dennoch strengen Umgang mit den Schülern zu pflegen scheint. Durch das kreative Gestalten eines Films sollen sich die Jugendlichen ausdrücken können. Wie nebenbei beschäftigen sie sich dabei kritisch mit Idolen auf sozialen Netzwerken, Ausgrenzung oder dem Suchtpotenzial von Online-Medien.

„Nur Aufsätze über die Themen zu schreiben, wäre zu abstrakt. Hier entsteht der fertige Film als Ergebnis, das hat eine andere Wirkung.“ Und er betont: „Es wird immer viel über Jugendliche geredet, aber kaum darüber, wie ihre Welt wirklich aussieht.“ Durch die Filme könnten sie zeigen, was sie denken.

Das Maß ist entscheidend

Um die Dramaturgie des Drehbuchs wird es beim nächsten Mal gehen. Dabei wird Prinz auch den Zusammenhang zwischen der Flucht in die Online-Welt und sozialem Rückzug ansprechen. Fraglich sei, ob man sich durch die Mediennutzung selbst ausgrenze oder warum man andersherum die Realität ausblenden möchte. In Maßen könnten aber gerade Computerspiele das visuelle und strategische Denken schulen. Gefährlich werde es erst, wenn die Gedanken nur noch um die Medien kreisen und man anderes vernachlässigt.

Helin Öner (15) erzählt über das Drehbuch ihres Teams: Ein Junge liebt das Boxen und ist viel unterwegs. Dann isoliert er sich mehr und mehr von seinen Freunden, geht nicht mehr zum Boxen. Er möchte seine Zeit nur noch alleine verbringen. Seit August planen die Gymnasiasten ihre jeweiligen Filme vor allem im Kunstunterricht.

Video: Mit diesem Beitrag gewannen Göttinger Förderschüler den Wettbewerb 2014

Maximal fünf Minuten lang dürfen die Filme sein, um sich damit beim Kurzfilmwettbewerb bewerben zu können. „Es gibt noch viele andere, die sich reinhängen, aber wir hoffen mal das Beste.“ Der 15-jährige Moritz Bar gibt sich zuversichtlich und tauscht Blicke mit Alina, Helin und den anderen seines Teams aus.

Wettbewerb für weiterführende Schulen

„Ganz schön anders – ganz schön aufregend“ ist das Motto des aktuellen inklusiven Schüler-Kurzfilmwettbewerbs in Niedersachsen. Dazu sind Schüler aller Schulformen, mit und ohne körperliche Beeinträchtigungen, eingeladen. Eine Jury um den gehörlosen Parkour-Profi und Instagramer Janis Geiger prämiert die Kurzfilme am 3. April 2019 bei einer Gala im glamourösen Astor Grand Cinema in Hannover. Der Hauptgewinn ist eine Reise nach Berlin und der Besuch des Filmparks Babelsberg in Potsdam. Außerdem gewinnt das Team des besten YouTube- Beitrags einen Film- und Fragetag mit einem Regisseur. Bewerbungsfrist für den Wettbewerb ist der 15. Februar 2019. Im Jahr 2014 gewann eine Göttinger Schülergruppe bereits einmal den Wettbewerb.

Informationen für interessierte Schulen gibt es hier.

Selbsttest: Bin ich online-süchtig?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat einen Test zum Thema Online- und Computerspielsucht entwickelt. Dort gibt es auch den Erfahrungsbericht eines ehemaligen Süchtigen und weitere Texte zu dem Thema. Den Test gibt es hier

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